I need that song, those trusty chords could pull me trough...
Ein Buch muß die Axt sein
für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka
Die Buchfrage von LovelyBooks


Interview mit Lea Korte, der Autorin von „Die Nonne mit dem Schwert“ (1996) und „Die Maurin“ (2010)

Auf ihrer Internetseite www.leakorte.com stellt sich Lea Korte kurz selbst vor. Damit möchte ich das Interview beginnen, denn so könnt ihr sie schon ein bisschen kennenlernen.

Ich bin Jahrgang 63, verheiratet, habe zwei Kinder (9 und 13), einen (reichlich!) verrückten Hund und eine schwarze Katze, die auch nicht viel normaler ist.

Seit etwa 18 Jahren lebe ich überwiegend in Spanien. Wie ich dahin gekommen bin? Nun, mit 12 war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am spanischen Mittelmeer und habe damals dann ganz naiv beschlossen, dass ich hier leben will. Mit dem Schreiben war es ähnlich: Das war auch so ein früher, höchst naiver “Beschluss”, weil ich von den Buddenbrooks so begeistert war. Dass später doch beides geklappt hat, zeigt, dass man seine Kinderträume manchmal doch in die Tat umsetzen kann.

Lesen und schreiben ist für mich natürlich sehr wichtig, so wichtig, dass ich darüber schon mal das eine oder andere vergesse, was man besser nicht vergessen sollte. Ohne Schreiben würde mir nicht nur etwas fehlen; ich käme mir regelrecht amputiert vor. Und seit ich mit den historischen Romanen angefangen habe, fesselt mich das Schreiben sogar noch mehr.

So, ich denke, fürs Erste habe ich genug geplaudert. Wer noch mehr über mich und meine Arbeit wissen möchte, findet auf meiner Webseite www.leakorte.com und auf meinem Blog  www.leakorte.wordpress.com ständig neue Informationen.

Hallo Lea Korte. Schön, dass du Zeit gefunden hast, mir einige Fragen zu beantworten. Mittlerweile hast du dein zweites Buch veröffentlicht. Nach „Die Nonne mit dem Schwert“, geht es nun um „Die Maurin“ und damit wieder um Spanien.Wie kamst Du darauf historische Bücher zu schreiben, bzw. überhaupt zu schreiben?

Der Wunsch, Bücher zu schreiben, war ein Gedanke, der mir mit zwölf gekommen ist, gerade so, wie andere in dem Alter auf die Idee verfallen, Tierarzt, Astronaut oder Lokomotivführer zu werden. Ich war schon damals eine absolute Leseratte und dachte, es müsse wunderbar sein, nie etwas anderes tun zu müssen, als immer nur zu lesen und zu schreiben – und das finde ich noch immer.

Und wie ich zu den historischen Romane kam, lässt sich auch leicht erklären: Zuvor habe ich unter einem anderen Pseudonym und für einen anderen Verlag Frauenromane und einen Entwicklungsroman geschrieben, aber historische Romane haben mich schon immer gereizt, und ich habe sie auch schon immer am liebsten gelesen. Ich finde es herrlich, dank eines historischen Romans in vergangene Zeiten „abtauchen“ zu können, weil man dabei nicht nur Wissen über diese Epoche anhäuft, sondern für eine Weile wirklich in dieser Zeit lebt. Und wenn ich meine historischen Romane schreibe, geht mir das genauso!

„Die Maurin“ ist dein zweiter historischer Roman. Er erzählt von der Reconquista und dem erbitterten Kampf der Mauren um ihre letzten Gebiete in Spanien. Ist der Wunsch, ein Stück spanischer Geschichte zu erzählen, entstanden, weil du dort lebst?

Das spielt zum Teil sicher eine Rolle, denn ansonsten wäre ich mit dieser ebenso faszinierenden wie spannenden Historie vielleicht nie in Berührung gekommen! In der Schule lernt man ja vorwiegend die Geschichte des eigenen Landes – weswegen wir von den anderen europäischen Ländern meist nur wenig wissen. Das war natürlich auch ein besonderer Reiz bei diesem Roman – einmal etwas zu erzählen, was noch nicht (so oft) erzählt worden ist.

Liest du auch spanische Bücher?

Ja, und zwar vor allem Fachliteratur. Gerade zu meinem letzten Roman, „Die Maurin“, gab es nur sehr wenig Literatur auf Deutsch, so dass ich sogar sehr viel auf Spanisch lesen musste – was mir aber, Gott sei Dank, leicht fällt, da ich hier ja auch schon fast 20 Jahre lebe.

In deinem Buch "Die Maurin" geht es ja um Christen und Mauren. Bist du selber gläubig oder gibt es einen besonderen Grund, warum du über die Konflikte der zwei Parteien geschrieben hast?

An Religion habe ich ein eher „wissenschaftliches“ Interesse, weil ich mir meine eigene Vorstellung von dem Leben nach dem Tod mache, aber ich denke, Religion ist für viele Menschen und die Menschheitsentwicklung überhaupt sehr wichtig. Und sie ist natürlich auch der „Grund“ für viele Auseinandersetzungen – zur Zeit der Reconquista wie heute. Damals haben die Christen und die Muslime gegeneinander gekämpft – und auch heute sind diese Auseinandersetzungen – leider - sehr oft Tagesthema. Das hat für mich natürlich einen besonderen Reiz ausgemacht, gerade über dieses Thema zu schreiben – und ebenso wichtig war mir zu zeigen, dass es in unserer gemeinsamen Vergangenheit schon einmal Zeiten gab, in denen mehr Toleranz als heute geherrscht hat.

Wie bist du gerade zu den historischen Romanen gekommen, worin liegt der besondere Reiz für dich?

Ich finde es spannend vorzustellen, wie „man“ selbst damals gelebt hätte und dabei ganz in die Vergangenheit einzutauchen, als Leser wie als Autor. Einen „normalen“ Roman zu schreiben ist auch spannend, aber man weiß beim Lesen wie beim Schreiben, dass dies, was man da liest oder schreibt, zu hundert Prozent „nur“ erfunden ist. In historischen Romanen, die – wie meine Romane - auf wahren historischen Begebenheiten beruhen, ist aber auch viel Wahres enthalten und dadurch bekommt der historische Roman dann so ein bisschen etwas von „Das hätte ja wirklich alles so gewesen sein können!“ Das macht für mich den besonderen Reiz aus.

Ist die Recherche nicht schwierig? Ich stell mir das so schwer vor, weil einerseits alles schon so lange vorbei ist und man dann bestimmt so genau recherchieren muss.

Auf Spanisch gibt es schon noch einiges an Literatur über die Mauren, auch darüber, wie sie gelebt haben, aber die Tatsache, dass der Inquisitor Cisneros nach dem Ende der Reconquista Berge von maurischen Büchern verbrennen ließ, hat die Recherche trotzdem schwierig gestaltet. Bei diesen Verbrennungen sind sehr viele Erinnerungen, Berichte, Daten und natürlich auch ein Großteil der reichen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Mauren für immer in Flammen aufgegangen. Mein Glück war, dass der Bruder einer Freundin von mir an der Universität von Cádiz (Spanien) Professor für Arabistik und Islamwissenschaften ist. So hatte ich eine überaus kompetente Anlaufstelle für all die Fragen, die ich nicht allein durch das Lesen von Büchern oder Recherchereisen beantworten konnte.

Besuchst du die Handlungsorte deiner Bücher selbst und stellst dir dann vor, wie es früher gewesen sein könnte?

Ja, ich war an allen wichtigen Originalschauplätzen, zum Teil sogar mehrmals, und überdies auch an anderen Orten, die für die Recherche wichtig waren: Sevilla, Cordoba und Fez – weil man auch dort noch vieles über die Mauren findet und gerade in der Medina, dem Bazar, von Fez auch einen sehr guten Eindruck davon bekommt, wie sich das Leben in Granada damals abgespielt haben könnte.

Hast du schon neue Projekte im Kopf und falls ja, bleibst du bei historischen Romanen oder zieht es dich auch in andere Genre?

Die historischen Romane sind schon sehr „meins“. Ich liebe die Recherchearbeit und ebenso, das Ganze dann kreativ zu verarbeiten. Und ja, ich habe schon andere Projekte im Kopf, derzeit sogar gleich drei auf einmal … Mal sehen, welches dann realisiert wird, oder ob dies sogar alle drei werden. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, wäre, einen zweiten Teil zur Maurin zu schreiben.

Wie bist du gerade bei Knaur "gelandet"? Hast du deine Romane gezielt an diesen Verlag geschickt oder an mehrere und gewartet, welcher dein Buch/ Bücher verlegt?

Ich habe von Anfang an einen Agenten gehabt – und mich auf dessen Kontakte und „Riecher“ verlassen. Das hat meine Arbeit sehr vereinfacht, denn alle Verlagskontakte laufen über meinen Agenten.

Ich habe gelesen, dass du auch schon Frauenromane unter einem Pseudonym veröffentlicht hast. Warum hast du ein Pseudonym gewählt?

Außer den historischen und den Frauenromanen habe ich auch einen Entwicklungsroman und ein Sachbuch geschrieben. Wenn man den Verlag wechselt und zuvor nicht unter seinem eigenen Namen geschrieben hat, ist ein Pseudonymwechsel eigentlich zwangsläufig nötig, weil der alte Name zu dem alten Projekt und Verlag „gehört“.

Liebe Lea Korte, ich danke dir ganz herzlich, dass du mir die Interviewfragen so freundlich beantwortet hast. Es ist sehr interessant zu lesen, wer hinter dem Namen auf dem Cover steht und wie viel Herzblut und Arbeit in einem Roman steckt. Vielen Dank!

 

Auf Lea Kortes Seite www.leakorte.com könnt ihr viele Infos rund um die Romane, Lesungen und interessante historische Extras finden.

Und ganz neu: Leas Sommertagebuch. Lea Korte schreibt kleine Texte über Kurioses und Ernsthaftes zum Thema Sommer, Spanien und Tourismus.

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